Erst über die Angst reden. Dann über Tools.
Sieben Personen sitzen im Konferenzraum. Erster KI-Workshop. Auf dem Whiteboard steht: „Use Cases sammeln". Niemand sagt etwas.
Nach zehn Minuten Schweigen unterbreche ich die Agenda. „Bevor wir Use Cases sammeln — was geht Euch gerade durch den Kopf, wenn Ihr ‚KI in unserem Team' hört?"
Pause. Dann sagt Frank: „Ehrlich? Ich frage mich, ob mein Job in zwei Jahren noch existiert."
Sabine nickt. „Ich habe vorgestern ChatGPT meinen Lieblings-Bereich machen lassen — in 30 Sekunden. Das war besser als das, was ich in drei Stunden zusammengeschoben hätte. Mich hat das umgehauen."
Markus, der Teamleiter: „Ich soll das hier moderieren. Ich weiß selber nicht, was ich denken soll."
Drei Stunden später haben wir nicht einen einzigen Use Case dokumentiert. Aber jeder im Raum weiß, was die anderen bewegt. Und alle wissen: Wir gehen das nicht als „Tool-Einführung" an, sondern als gemeinsame Lernreise mit echter Unsicherheit.
Eine Woche später war der zweite Termin produktiver, als jeder Use-Case-Workshop, den ich je erlebt habe. Weil die Menschen wussten: Die Angst darf da sein. Niemand wird abgehängt. Wir entscheiden gemeinsam, was wir mit dieser Technologie wollen — nicht umgekehrt.
Detego, das Beratungsnetzwerk, in dem ich arbeite, formuliert es so: „Wir nehmen die Angst aus dem Change." Das ist keine Marketing-Phrase. Das ist die einzige Reihenfolge, die in KI-Transformationen funktioniert.
Wer in der ersten KI-Sitzung gleich mit Tools beginnt, verliert die Hälfte des Raumes — leise, unterirdisch, monatelang. Wer mit der Frage „Was macht Euch eigentlich gerade Angst?" beginnt, hat eine Chance, ein Team in die neue Realität mitzunehmen.
Meine Frage: Wann hat in Deiner Organisation zuletzt jemand gefragt — nicht zu Use Cases, sondern zu Gefühlen?
Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf
Weitere Impulse
Schau gern in die vollständige Übersicht für mehr Gedanken aus der Serie „Führung ist kein Zuschauersport".