Zurück zu allen Impulsen

Sie hat es dreimal versucht zu sagen. Nur hat niemand zugehört.

Führen auf Distanz – Zuhören

Donnerstagmorgen, ein Anruf. Am Telefon ein Geschäftsführer, den ich seit Jahren kenne. Seine Stimme klingt anders als sonst. Weniger Tempo, mehr Gewicht.

„Ralf, meine beste Teamleiterin hat gekündigt. Ich verstehe nicht warum."

Ich kenne Sandra nicht persönlich. Aber ich kenne die Geschichte, weil ich sie in den letzten Jahren in Varianten immer wieder gehört habe. Die Details ändern sich. Der Kern bleibt gleich.

Sandra war eine stille Leistungsträgerin. Kein Alphatier, kein Selbstdarsteller — sondern jemand, der liefert, mitdenkt, das Team zusammenhält. Seit sechs Jahren im Unternehmen, dreimal befördert, nie ein Konflikt. Die Person, auf die man sich verlässt, ohne darüber nachzudenken.

Und genau das war das Problem.

Als ich mit dem Geschäftsführer tiefer eingestiegen bin, kamen die Momente an die Oberfläche. Der Moment vor acht Monaten, als Sandra im Führungskreis einen Vorschlag gemacht hat, der übergangen wurde. Nicht abgelehnt — übergangen. Der Moment vor fünf Monaten, als sie um ein Gespräch über ihre Entwicklung gebeten hat und die Antwort war: „Lass uns das im Jahresgespräch besprechen." Der Moment vor zwei Monaten, als sie zum dritten Mal angedeutet hat, dass sie sich fragt, ob das hier noch der richtige Ort für sie ist. Und die Reaktion war: „Du bist doch unsere Beste. Natürlich gehörst du hierher."

Dreimal hat Sandra etwas gesagt. Dreimal hat jemand geantwortet, ohne zuzuhören.

Die besten Leute kündigen leise. Kein Drama, kein Ultimatum, kein Türenknallen. Einfach ein Gespräch mit HR, drei Monate Kündigungsfrist, weg. Und das Unternehmen steht da und fragt sich, was passiert ist.

Was passiert ist? Nichts. Und genau das ist der Punkt.

Die meisten Unternehmen haben kein Recruiting-Problem. Sie haben ein Zuhör-Problem. Sie investieren Hunderttausende in Employer Branding und Talent Acquisition — aber sie investieren nichts in die Frage, die alles entscheidet: Hören wir den Menschen zu, die schon da sind?

Als Sparringspartner stelle ich Führungskräften manchmal eine Frage, die unbequem ist, aber klärend: Wer in deinem Team hat in den letzten drei Monaten etwas gesagt, das du zwar gehört, aber nicht wirklich verstanden hast?

Die Antwort darauf ist meistens nicht „niemand." Die Antwort ist Stille. Und in dieser Stille liegt die nächste Sandra.

Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf

Klingt das nach einer Situation, die du kennst?

Wenn du jemanden suchst, der mitdenkt — nicht nur zuhört — lass uns reden.

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Weitere Impulse

Schau gern in die vollständige Übersicht für mehr Gedanken aus der Serie „Führung ist kein Zuschauersport".

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