Trusted Advisor in einer KI-Welt — was sich nicht ändert.
Eine Führungskraft fragte mich neulich: „Wirst Du in fünf Jahren durch KI ersetzt?“
Ich habe gelacht. Und dann ernst geantwortet: Vielleicht. Aber nicht in dem Bereich, in dem ich tatsächlich gebraucht werde.
KI kann analysieren, kombinieren, beschleunigen, strukturieren. KI kann auch coachen — mittlerweile sogar passabel. Was KI nicht kann: Spannungen im Raum wahrnehmen. Ambivalenzen halten. Vertrauen aufbauen, das eine Führungskraft trägt, wenn sie um Mitternacht eine Entscheidung mit 200 Arbeitsplätzen treffen muss.
Was sich gerade verändert: Kunden kommen nicht mehr mit „Implementieren Sie uns das Tool". Sie kommen mit: „Wir wissen nicht, was KI mit unserer Organisation macht. Wir haben Angst, falsch zu entscheiden. Wir brauchen jemanden, der mitdenkt — nicht jemanden, der noch mehr Tools verkauft."
Genau hier beginnt für mich die Arbeit als Trusted Advisor in der KI-Welt. Bevor wir über Tools sprechen, klären wir, wo die Angst sitzt. Bevor wir Workflows umbauen, klären wir, was tatsächlich erreicht werden soll. Bevor wir KI in Teams einführen, reden wir darüber, was es mit Menschen macht.
75 Prozent der Mitarbeitenden fürchten Deskilling — eine Verdopplung in zwei Jahren. Wer als Berater hier mit Excel-Tabellen und ROI-Versprechen reinkommt, hat den Kern nicht verstanden.
Was sich nicht ändert: Vertrauen entsteht nicht aus Tools. Klarheit entsteht nicht aus Algorithmen. Führung passiert dort, wo zwei Menschen einander in die Augen schauen und gemeinsam entscheiden, was als nächstes wichtig wird.
Meine Frage: Wo in Deiner Organisation läuft gerade ein KI-Projekt, bei dem niemand mit den Menschen über die Angst gesprochen hat?
Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf
Weitere Impulse
Schau gern in die vollständige Übersicht für mehr Gedanken aus der Serie „Führung ist kein Zuschauersport".