Zurück zu allen Impulsen Serie „Führung im Nebel“ · Folge 1

Wird es meinen Job in drei Jahren noch geben?

Mitarbeiter im Tor einer Produktionshalle, Blick in die neblige Halle

Illustration: mit KI erstellt

Mittwochnachmittag, Besprechungsraum, ein mittelständisches Unternehmen in Bayern. Workshop: „KI in unseren Arbeitsalltag integrieren.“

Der IT-Leiter hat achtzehn Folien vorbereitet. Drei Use Cases, ein Pilotprojekt. Alles durchdacht. Zwölf Leute sitzen im Raum, es wird genickt, die richtigen Fragen werden gestellt: Welches Tool? Wer schult? Ab wann?

Am Ende sagt die Geschäftsführerin: „Dann sind wir uns einig. Wir starten im Juni.“ Alle nicken. Workshop vorbei.

In der Kaffeepause steht ein Teamleiter neben mir. Ende vierzig. Rührt in seinem Kaffee. Sagt nichts. Dann, leise:

„Ralf, wird es meinen Job in drei Jahren noch geben?“

Er schaut mich nicht an. Er schaut in seinen Kaffee.

Dieser Mann hat gerade sechzig Minuten im Workshop gesessen und diese Frage kein einziges Mal gestellt. Nicht weil sie ihm erst jetzt einfällt. Sondern weil man so etwas nicht vor zwölf Kollegen und der Geschäftsführerin fragt. Weil man nicht der sein will, der Angst hat.

Das ist der Moment, der mich beschäftigt. Nicht welches Tool das beste ist. Sondern die Frage, die in der Kaffeepause gestellt wird, weil sie im Meeting keinen Platz hat.

Ich erlebe das gerade in fast jedem Unternehmen. Die Strategie sagt KI. Die Präsentation sagt KI. Aber die Menschen tragen eine Frage mit sich herum, die niemand laut stellt: Was bedeutet das für MICH? Meinen Alltag. Meine Kompetenz. Meinen Wert.

Das Gefährliche ist nicht die Angst. Angst ist eine normale Reaktion auf Veränderung, die man nicht einschätzen kann. Das Gefährliche ist das Schweigen. Teams, die nicht über ihre Unsicherheit reden, können den Wandel nicht gestalten. Sie erleiden ihn.

Was ich ihm gesagt habe: Deine Frage ist nicht schwach. Sie ist die klügste Frage, die heute in diesem Raum hätte gestellt werden können.

Niemand kann dir sagen, wie dein Job in drei Jahren aussieht. Wer das behauptet, verkauft dir etwas. Aber die Fähigkeiten, die dich in zwanzig Jahren wertvoll gemacht haben — Erfahrung, Urteilsvermögen, Beziehungen, Kontext — verschwinden durch KI nicht. Sie werden wichtiger, wenn Routine wegfällt und das übrig bleibt, was wirklich zählt.

Sprich mit deiner Chefin. Nicht über Tools. Über deine Frage.

Zwei Wochen später schrieb mir die Geschäftsführerin. Sie hatte ein Teammeeting einberufen mit einer einzigen Frage: „Was beschäftigt euch wirklich, wenn ihr an KI denkt?“ Es wurde das ehrlichste Meeting seit Jahren.

Die Menschen haben viel von dem, was sie brauchen, um diesen Wandel zu gestalten. Was oft fehlt, ist kein besseres Tool. Es ist die Erlaubnis, unsicher zu sein — und trotzdem mitzugehen.

Meine Frage: Gibt es bei euch einen Raum, in dem ehrlich gesagt werden kann, was KI wirklich auslöst — oder passieren die echten Gespräche auch bei euch am Kaffeeautomaten?

Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf

Klingt das nach einer Situation, die du kennst?

Wenn du jemanden suchst, der mitdenkt — nicht nur zuhört — lass uns reden.

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Serie „Führung im Nebel“

Folge 1 von sechzehn. Die Serie geht den unbequemen KI-Fragen nach, die in Meetings selten gestellt werden — alle Folgen im Überblick.

Nächste Folge: „Das diskutieren wir hier nicht.“ — Der teuerste Satz in einem Unternehmen

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